Häufige Fragen
Lebensraum
Sind Igel Waldtiere?
Wie lang ist die nächtliche Wegstrecke eines Igels?
Kann man einen Igel zu sich in den Garten holen und ihm das Bleiben schmackhaft machen?
Was kann ich als Baufachperson für die Igel tun?
Wir wohnen an einer vielbefahrenen Strasse und machen uns Sorgen um den Igel in unserem Garten. Können Igel umgesiedelt werden?
Gefahren
Warum sterben so viele Igel auf der Strasse?
Was passiert mit den toten Igeln auf der Strasse?
Auf der Strasse sitzt ein Igel. Soll ich ihn mit nach Hause nehmen oder
im Wald aussetzen?
Ich fahre Auto. Was muss ich beachten, damit ich die Igel möglichst wenig gefährde?
Stimmt es, dass Füchse Igel ins Wasser rollen, damit sich diese öffnen müssen?
Igel und Technik
Vertreiben Katzenabwehrgeräte die Igel?
Igel und Umweltgifte
Nahrung
Der Igel ist doch ein Insektenfresser? Trotzdem habe ich vor kurzem einen beobachtet, der sich auch für Fallobst und süsse Beeren interessierte!
Fressen Igel Gemüse?
Darf man Igel füttern?
Soll man Igel in Trockenphasen mit Zusatzfutter unterstützen?
Darf man Igeln Milch geben?
Was frisst der Igel? Und was frisst er nicht?
Winterschlaf
Wie schwer muss ein Jungigel sein, um den Winterschlaf zu überleben?
Wann halten Igel Winterschlaf?
Was passiert bei einem Igel, wenn er aus dem Winterschlaf erwacht?
Lebenserwartung
Igel im Garten
Seit etwa Anfang Mai haben wir einen Igel im Garten, der jeden Abend seltsam fauchende Geräusche von sich gibt. Was bedeutet das?
Bei uns im Garten hustet ein Igel. Muss ich etwas unternehmen?
Wir füttern unsere Katze auf dem Gartensitzplatz. Manchmal kommt auch ein Igel an den Futternapf. Er hinterlässt uns jeweils Kothaufen auf den Steinplatten
In unserer Wiese fanden wir Löcher, die bis faustgross waren. Kommt da ein Igel als „Täter“ in Frage?
Krankheiten
Beim Igel gibt es zahlreiche Innenparasiten. Können diese auf meine Haustiere übertragen werden und bei ihnen Krankheiten auslösen?
Gibt es neben den Innenparasiten andere Krankheiten, die - vom Igel ausgehend - für andere Tiere oder den Menschen gefährlich werden könnten?
Welche Bedeutung hat ein Zeckenbefall beim Igel für uns Menschen?
Igel gefunden – was tun?
Dürfen Igelbabys berührt werden?
Bei einer spätherbstlichen Gartenentrümpelungsaktion haben wir einen Igel in seinem Nest gestört: Er bewegt sich nicht. Lebt er noch?
Soll ich tagsüber auf einem Herbst-Spaziergang gefundene kleine Igel prinzipiell mit nach Hause nehmen?
Woran erkenne ich, ob ein im Herbst gefundener Jungigel bereits die nötigen Reserven für den Winterschlaf hat oder ob er noch menschliche Hilfe braucht?
Bei einem im Herbst gefundenen Jungigel habe ich das Körpergewicht ermittelt. Wie gehe ich weiter vor?
Igel auf Schnee begegnet?
Bei uns bedient sich ein Igel mitten im Dezember am Futternapf unserer Katze: Eigentlich sollte der stachelige Geselle doch im Winterschlaf sein?
Wie bastle ich ein Winterschlafhaus als Ersatznest für Igel?
Igel in Gefangenschaft, Igelhaltung, Auswilderung
Was halten Sie davon, Igel in menschlicher Obhut zu überwintern?
Kann man einen Igel kaufen?
Ist der Afrikanische Weissbauchigel als Haustier geeignet?
Was geschieht im Igelzentrum mit den Igeln nach ihrer Genesung?
Wir würden gerne einen jener Igel aus dem Igelzentrum auswildern, die nicht mehr am Fundort freigelassen werden können. Nun wissen wir aber nicht, ob unser Garten geeignet ist. Was ist zu beachten?
Sind Igel Waldtiere?
Igel leben heute zum grössten Teil im Siedlungsraum. Naturbelassene Gärten und vielfältig gestaltete Grünanlagen werden von den Stacheltieren bewohnt. Die heutigen Wirtschaftswälder bieten in ihrer Uniformität den Igeln kein Zuhause mehr. Deshalb ist diese Tierart fast vollständig aus den Wäldern, wie auch aus dem intensiv bewirtschafteten Landwirtschaftsraum, verschwunden.
Wie lang ist die nächtliche Wegstrecke eines Igels?
Gemäss Beobachtungen können männliche Igel während der Brunstzeit bis zu 5 km in einer Nacht zurücklegen. Weibchen wandern ungefähr 0.5 bis 1.5 km weit auf der nächtlichen Futtersuche.
Siehe Nächtliches Streifgebiet (JPG 285 KB)
Kann man einen Igel zu sich in den Garten holen und ihm das Bleiben schmackhaft machen?
- Igel sollte man nicht «verpflanzen», da sie sehr ortstreu sind. Es besteht aber die Möglichkeit, aus einer Igelstation einen Igel, der nicht an den Fundort zurückgegeben werden kann, im eigenen Garten mit einem Gehege auszuwildern.
Siehe Auswilderung
- Ein naturnaher Garten mit einheimischen Wildpflanzen und Versteckmöglichkeiten ist ein geeigneter Lebensraum für das nachtaktive Stacheltier. Es gibt aber keine Garantie, dass der ausgewilderte Igel in Ihrem Garten bleibt.
Siehe Igelfreundlicher Garten
Was kann ich als Baufachperson für die Igel tun?
Für Bauchfachleute, Bauherren und Laien gibt es viele praxisnahe Tipps im Umgang mit Igeln und anderen Wildtieren im Siedlungsraum.
Siehe www.bauen-tiere.ch
Wir wohnen an einer vielbefahrenen Strasse und machen uns Sorgen um den Igel in unserem Garten. Können Igel umgesiedelt werden?
Igel sind ortstreu und kennen sich in ihrem Aktionsraum hervorragend aus. Jede Umsiedelung stellt eine Belastung für das Tier dar, da es ein ihm fremdes Gebiet erst wieder nach guten Futterstellen, Unterschlüpfen etc. durchforsten muss. Das alleinige Vorhandensein von befahrenen Strassen ist deshalb kein hinreichender Grund für eine Umsiedlung! Eine zwingende Umsiedlung muss sehr sorgfältig und unter sukzessiver Auswilderung am neuen Ort erfolgen.
Siehe Lebensraum und Gefahren
Warum sterben so viele Igel auf der Strasse?
Igel leben heute zum grossen Teil im Siedlungsraum, der dicht von Strassen durchzogen ist. Das bedeutet Gefahr. Vor allem Männchen, die während der Paarungszeit weite Strecken zurücklegen um Weibchen aufzusuchen, werden häufig überfahren. Das müsste nicht sein. Igel zeigen nämlich auf der Strasse nicht das für sie typische Einrollverhalten sondern flüchten vor den Autos. Bei angemessenem Tempo der Autofahrer sollte es für Igel häufiger möglich sein, die Strasse erfolgreich zu überqueren.
Siehe Igel & Umwelt 2010/1 (PDF 1.0 MB)
Was passiert mit den toten Igeln auf der Strasse?
Für die Beseitigung der Igelkadaver ist, was das öffentliche Strassennetz betrifft, der Strassendienst zuständig. Finden Sie einen toten Igel in Ihrem Garten oder auf der Privatstrasse vor Ihrem Haus, können Sie ihn zur Kadaversammelstelle Ihrer Wohngemeinde bringen. In der Stadt Zürich nehmen die Quartierwachen der Stadtpolizei und die Tierarztpraxen tote Igel entgegen.
Auf der Strasse sitzt ein Igel. Soll ich ihn mit nach Hause nehmen oder
im Wald aussetzen?
Igel sind ortstreu. Sie leben mehr oder weniger ihr ganzes Leben lang im gleichen Gebiet und haben dort hervorragende Kenntnisse, was Futterplätze, Versteckmöglichkeiten usw. betrifft. Wird ein Igel in eine ihm fremde Gegend verpflanzt, ist das eine grosse Belastung für das Tier, unter Umständen ist sogar sein weiteres Überleben gefährdet.
Sie können dem Igel aber helfen, indem Sie ihn in seiner Laufrichtung (!) über die Strasse tragen und ein paar Meter vom Strassenrand entfernt absetzen – am besten, sofern vorhanden, in ein Gebüsch. Denken Sie bei solchen Rettungsaktionen aber bitte auch an Ihre eigene Sicherheit!
Nebenbei bemerkt: Der heutige Wirtschaftswald ist kein geeigneter Igel-Lebensraum mehr; die Stacheltiere leben vorwiegend in naturbelassenen Grünzonen des menschlichen Siedlungsgebietes.
Ich fahre Auto. Was muss ich beachten, damit ich die Igel möglichst wenig gefährde?
- Denken Sie daran, dass Igel im menschlichen Siedlungsraum leben. Das heisst, v. a. im bewohnten Gebiet muss mit Igeln auf der Strasse gerechnet werden. Einsame Waldstrassen zum Beispiel werden hingegen eher von Rehen und anderen Waldtieren gequert.
- Igel sind nacht- und dämmerungsaktiv; fahren Sie den Sichtverhältnissen angepasst.
- Wenn ein Igel die Strasse überquert, geben Sie ihm, wenn immer möglich, Zeit dafür. Blenden Sie ihn nicht mit dem Fernlicht. Hupen bringt selbstverständlich gar nichts, der Igel erschrickt, überquert die Strasse deshalb aber nicht schneller!
- Versuchen Sie nicht, einen Igel zwischen die Räder zu nehmen, das geht meistens schief!
- Wenn der Igel auf der Strasse sitzen bleibt, parkieren Sie Ihr Auto, dann können Sie ihn in seiner Laufrichtung (!) über die Strasse tragen und ein paar Meter vom Strassenrand entfernt absetzen – am besten, sofern vorhanden, in ein Gebüsch.
Aber wichtig: Denken Sie bei allen Igelrettungsaktionen an erster Stelle immer an Ihre eigene Sicherheit und an die der anderen Verkehrsteilnehmer! Auch wenn das bedeutet, dass es leider immer Situationen gibt (wie z. B. auf Strassen mit sehr hohem Verkehrsaufkommen oder Schnellstrassen), in denen Sie nicht viel mehr tun können als hoffen, dass nicht gerade ein Stacheltier vor Ihrem Auto über die Fahrbahn läuft.
Siehe Igel & Umwelt 2010/1 (PDF 1.0 MB)
Stimmt es, dass Füchse Igel ins Wasser rollen, damit sich diese öffnen müssen?
Das gehört mehr oder weniger ins Reich der Fabeln! Zwar kann es sein, dass einmal ein Fuchs einen Igel neben einem Gewässer fand, ihn anstupste, zufällig ins Wasser rollte und ihn dort packen konnte. Aber, überlegen Sie selbst, wie oft treffen alle diese Umstände zusammen ein? Genau! So selten, dass es für den Fuchs wohl kaum möglich sein wird, dies kognitiv weiter zu „verarbeiten“.
Siehe Igel & Umwelt 20011/2 (PDF 0.7 MB) und Igel & Umwelt 2006/2 (PDF 1.2 MB) auf Seite 2 und 3
Vertreiben Katzenabwehrgeräte die Igel?
Katzen und Igel nehmen Töne in einem fast identischen Hörbereich wahr. Wenn Katzen durch die Ultraschalltöne vertrieben werden, ist anzunehmen, dass Igel ähnlich reagieren.
Gemäss Beobachtungen eines Katzenabwehrgeräte-Besitzers reagierten die Igel auf die Töne mit Zusammenzucken und längerem Innehalten. Einige Wochen nach der Installation von zwei Geräten im Garten waren die Igel weg.
Das heisst: Katzen- und andere Tierabwehrgeräte mit Ultraschall könnten durchaus Igel nachhaltig stören und ihren Lebensraum beschneiden. Gesicherte Studien zum Thema fehlen bislang.
Das Igelzentrum erhielt schon verschiedene Meldungen zum Thema Katzenschreck; aber daraus lassen sich keine aussagekräftigen Schlüsse ziehen: Zum Beispiel die Rückmeldung über eine Igelmutter, die ihre Jungen in einem durch Katzenabwehrgerät beschallten Gebiet geboren hat. Oder jener Igel, der immer wieder in ein ebenfalls beschalltes Schildkrötengehege eindrang und sich durch die Schallwellen nicht beeindrucken liess.
Es gibt auch Reaktionen, die darauf hinwiesen, dass die Geräte "funktionieren", und sich weder die Katzen noch die Igel weiter blicken liessen.
Siehe Semesterarbeit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wädenswil (PDF 3.4 MB) und Bericht in Igel & Umwelt 2009/3 (PDF 1.0 MB)
Soll ich Schneckenkörner mit der Aufschrift «Mit Igel- und Hundevergällungszusatz» und dem Wirkstoff «Metaldehyd» kaufen?
Nein! Von Schneckenkörnern auf der Basis von Metaldehyd ist dringend abzuraten!
Eine Untersuchung hat zwar ergeben, dass die Giftigkeit für Igel vermutlich gering ist. Aber für viele andere Nützlinge im Garten wie Spitzmäuse, Vögel und Laufkäfer können diese Schneckenkörner toxisch sein. Sehr toxisch ist Metaldehyd für Haustiere wie z.B. Hund oder Katze!
Seit einigen Jahren sind Schneckenkörner mit dem Wirkstoff Eisenphosphat auf dem Markt. Sämtliche Inhaltsstoffe sind für Mensch und Säugetiere (also auch für Hunde und Igel) laut dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) unbedenklich. Auch Vögel, Regenwürmer und Laufkäfer werden geschont. Seit 2008 ist dieses Anti-Schneckenmittel als Hilfsstoff für den biologischen Landbau in der Schweiz zugelassen. Die Handelsbezeichnungen dieser neuen Produkte lauten: «Adalan-Schneckenkorn», «Coop Oekoplan Adalan Schneckenkorn», «Ferramol Schneckenkorn». Diese Produkte enthalten 1% Eisen III-Orthophosphat, welches von Bodenmikroorganismen vollständig in Eisen und Phosphat umgewandelt wird.
Trotzdem, auch ein biologisches Gift ist und bleibt ein Gift.
Siehe Forschungsinstitut für biologischen Landbau (PDF 44 KB) und Tipps im Umgang mit Schnecken
Der Igel ist doch ein Insektenfresser? Trotzdem habe ich vor kurzem einen beobachtet, der sich auch für Fallobst und süsse Beeren interessierte!
Der Igel ernährt sich tatsächlich von Insekten, Regenwürmern, Tausendfüssern, Schnecken & Co. Sein Verdauungssystem ist nicht auf das Verwerten von pflanzlicher Nahrung ausgerichtet, deshalb gehen pflanzliche Bestandteile im grossen Ganzen so wieder hinten raus, wie sie vorne reinkamen! Der Kerl kann aber Süssem nur schlecht widerstehen, deshalb kann es vorkommen, dass auch einmal eine süsse Beere oder ein Stück Frucht mit verzehrt wird. Wenn sich ein Igel allerdings an Fallobst zu schaffen macht, ist es doch meist mehr der Wurm im Apfel als der Apfel selbst, der ihn interessiert. Hat es lange nicht mehr geregnet, sind die stark wasserhaltigen Früchte und Beeren zudem oft die einzige Möglichkeit, den Durst zu stillen.
Siehe Nahrung und Igel & Umwelt 20011/1 (PDF 1.4 MB) auf Seite 1-4 und 7.
Fressen Igel Gemüse?
Nein.
Siehe Igel & Umwelt 20011/1 (PDF 1.4 MB) auf Seite 1-4 und 7.
Darf man Igel füttern?
Igel sind Wildtiere. Sie kommen normalerweise bestens ohne unsere Hilfe zurecht. Zufütterung ist daher nur in Ausnahmefällen sinnvoll: beispielsweise im Herbst, wenn die Futtertiere des Igels nur noch beschränkt vorhanden sind, viele Jungigel aber noch darauf angewiesen wären, ihre Fettreserven auf ein „winterschlaftaugliches“ Mass zu bringen.
Siehe Fütterung
Soll man Igel in Trockenphasen mit Zusatzfutter unterstützen?
Gibt es von Frühling bis Herbst über eine gewisse Zeit wenig oder keinen Niederschlag, tauchen in schöner Regelmässigkeit in den Medien Beiträge zu verhungernden Igel auf, da diese angeblich in solchen Zeiten (Trockenheit, Trockenperiode, Dürre, Hitzeperiode, Hitzephase) kein Futter mehr fänden.
Das Igelzentrum hat zur Fütterung freilebender Igel eine klare Haltung:
Da kein Ersatzfutter die Qualität der natürlichen Futtertiere erreicht, dürfen Igel nur gefüttert werden, wenn sie nicht mehr genügend natürliches Futter finden können! Zwischen Frühling und Herbst kommt es in der Regel aber nicht zu einer solchen Situation!
Siehe Futtersituation für Igel während Trockenphasen (PDF 14 KB) und Fütterung
Darf man Igeln Milch geben?
Kuhmilch ist für Igel jeder Lebensphase zur Ernährung gänzlich ungeeignet, da die Tiere die darin enthaltene Lactose (Milchzucker) nicht verdauen können. Wird einem Igel trotzdem Kuhmilch angeboten, kann es zu schweren Bauchkrämpfen und zu Durchfall kommen.
Mutterlose Igelsäuglinge können mit (Hunde-)Welpenersatzmilch aufgezogen werden. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass Hundemilch einen höheren Milchzuckergehalt aufweist als Igelmilch (und auch sonst in der Zusammensetzung abweicht). Es ist deshalb vorteilhaft, die Igelbabys so schnell wie möglich von der Welpenmilch auf Festfutter umzustellen.
Siehe Jungigel und Nahrung
Siehe ausführliche Informationen zu Milch - ein untaugliches Igelfutter (PDF 10KB)
Was frisst der Igel? Und was frisst er nicht?
Was der Igel normalerweise frisst:
Käfer, Raupe, Regenwurm, Ohrmüggler, Käferlarve, Puppe, Nacktschnecke, Hüslischnecke, Tausendfüsser, Schmetterling, Falter, Heuschrecke, Assel, Ameise, Biene, Wespe, Spinne, Mücke
Was er selten erwischt:
Maus, Vogel, Frosch, Ei
Wovon er gelegenlich nascht, es aber nicht verwerten kann:
Apfel, Erdbeere, Banane, Avocado, Nuss
Was ihm nicht guttut:
Milch, Nussstängeli
Was er nicht frisst:
Karotten, Salat, Zwiebel, Kartoffel, Laub
Siehe Igel & Umwelt 20011/1 (PDF 1.4 MB) auf Seite 1-4 und 7.
Wie schwer muss ein Jungigel sein, um den Winterschlaf zu überleben?
In der Regel genügt ein Gewicht von 500-550 Gramm, damit der Jungigel den Winterschlaf überleben kann. Er hat dann genug Fettreserven, von denen er während des Winterschlafes zehren kann.
Siehe Überwinterung und Zufütterung in Ausnahmsituationen
Wann halten Igel Winterschlaf?
Igel halten Winterschlaf von November bis März. Die Weibchen fallen etwa einen Monat später als die Männchen in den Winterschlaf, da sie nach der kräftezehrenden Jungenaufzucht mehr Zeit brauchen, um ihre Fettreserven aufzubauen. Die Dauer des Winterschlafes ist aber bei beiden Geschlechtern etwa gleich lang. Das bedeutet, dass die Weibchen im Frühling später als die Männchen erwachen.
Siehe Winterschlaf und Winter
Was passiert bei einem Igel, wenn er aus dem Winterschlaf erwacht?
Sobald im Frühjahr die Futtertiere des Igels wieder verfügbar sind, muss der Igel aus dem Winterschlaf erwachen. Da die Energiereserven für den Winterschlaf begrenzt sind, wäre es kontraproduktiv, gefährlich und unter Umständen sogar tödlich, länger als nötig im Winterschlaf zu verharren. Wie der Aufwachvorgang im Detail ausgelöst wird, ist noch nicht bekannt. Eine Rolle spielt aber sicher die Umgebungstemperatur. Sobald diese über einen längeren Zeitraum einen gewissen Minimalwert erreicht, wird auf Grund hormoneller Signale das braune Fettgewebe des Igels abgebaut. Der dadurch resultierende Energiegewinn wird für die Erhöhung der Körpertemperatur verwendet. In der zweiten Phase des Aufwachvorgangs lässt ein einsetzendes Muskelzittern die Körpertemperatur weiter steigen.
Kopf- und Brustbereich werden schneller erwärmt als der restliche Körper. Das macht Sinn, denn hier befinden sich Organe (Hirn, Herz, Lunge), die unmittelbar (über-)lebensnotwendig sind.
Bis der ganze Igel seine normale „Betriebstemperatur“ von 36°C erreicht hat - und damit wieder voll aktiv ist - dauert es mehrere Stunden.
Wie alt werden Igel?
In der freien Wildbahn werden Igel selten älter als 2-3 Jahre. Theoretisch könnten die Stacheltiere bis zu 7 Jahre alt werden. Sehr viele Igel (ca. 75%) erreichen aber nicht einmal ihren ersten Geburtstag, da die Todesrate während der Baby- und Jungigelzeit, sowie während des ersten Winterschlafes sehr hoch ist.
Ein Igel schläft auf unserem Sitzplatz. Er hat Flöhe und Zecken. Soll ich ihn gegen das Ungeziefer behandeln?
Mässiger Parasitenbefall ist bei einem Wildtier normal. Eine medikamentöse Behandlung ist in solchen Fällen nicht angebracht. Ausserdem wäre der Igel ohnehin nach kurzer Zeit wieder von Aussenparasiten befallen. Einzelne Zecken können Sie mit einer Zeckenzange entfernen.
Sollte der Befall mit Aussenparasiten übermässig sein, kann es sein, dass der Igel auch weitere Probleme hat: z.B. stark geschwächt ist oder an einer inneren Erkrankung leidet. Nehmen Sie in einem solchen Fall Kontakt zu einer Igelstation oder einem Tierarzt auf.
Siehe detaillierte Informationen zu Zecken und Igel (PDF 555KB)
Seit etwa Anfang Mai haben wir einen Igel im Garten, der jeden Abend seltsam fauchende Geräusche von sich gibt. Was bedeutet das?
Während der Paarungszeremonie geben Igel ein recht lautes Schnaufen, Fauchen oder Tukkern von sich. Das Paarungsritual der Igel nennt man übrigens «Igelkarussell» und kann stundenlang dauern.
Siehe Igelpaarung
Bei uns im Garten hustet ein Igel. Muss ich etwas unternehmen?
Der grösste Teil der Igel (80% oder mehr) sind mit Lungenwürmern infiziert. Ein sonst vitaler und gut genährter Igel lebt damit ohne grössere Probleme. Ein Entwurmen des Tieres bringt bei solchen Igeln nichts, da sie sich innert kürzester Zeit wieder neu infizieren. Zum Zyklus der Lungenparasiten gehört es, dass die in der Lunge gebildeten Wurmlarven raufgehustet, abgeschluckt und ausgeschieden werden.
Hustet der Igel nur ab und zu, ist (ausschliesslich) nachtaktiv und hat einen guten Appetit (mit ca. 100 g Katzenfutter testen), ist es (i.d.R.) nicht nötig einzugreifen.
Hören Sie den Igel sehr häufig respektive dauernd husten und/oder gibt es sonst Anzeichen für einen mangelhaften Gesundheitszustand, können Sie das Tier in einer Igelstation oder bei einem Tierarzt (jeweils nach telefonischer Anmeldung) untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen. Hier macht ein Entwurmen Sinn, denn damit der Igel eine Chance hat, wieder zu Kräften zu kommen, sollte er temporär von seiner Wurmbürde befreit werden.
In unserer Wiese fanden wir Löcher, die bis faustgross waren. Kommt da ein Igel als „Täter“ in Frage?
Kann sein. Zumindest als „Mittäter“!
Der Auslöser dafür sind die Larven der Junikäfer.
Etwa alle zwei Jahre können im Sommer die Adult-Stadien der mit den Maikäfern verwandten Insekten beobachtet werden. Die Junikäfer legen ihre Eier im Boden ab, wo sich diese dann über zwei Jahre zur nächsten Käfergeneration entwickeln. In den Zwischenjahren (z.B. 2008 und 2010) sind die im Boden steckenden Engerlinge im Herbst ein Leckerbissen für Fuchs, Dachs, Vögel und auch Igel! Alle zwei Jahre kann es deshalb vorkommen, dass löchergrabende Schleckermäuler durch unsere Gärten touren; sie hinterlassen Löcher in der Grösse von 2-3 cm bis zur Grösse einer Faust.
Viel dagegen unternehmen kann man nicht. Freuen wir uns an der Natur im Garten, auch wenn sie sich halt nicht immer nach den Bedürfnissen von uns Menschen richtet! Also am besten gelassen die Löcher im Rasen wieder zustopfen, im Wissen dass das Phänomen wenigstens nur alle zwei Jahre auftritt.
Ein ähnliches Ereignis stellen die Maikäferflugjahre dar, wenn Millionen der braunen Käfer aus der Erde kriechen (z.B April-Mai 2011 in der Ostschweiz) und die Bäume kahl fressen. In den betroffenen Gebieten werden jeweils zahlreicher Löcher in den Wiesen entdeckt; bevor die Maikäfer die Oberfläche erreichen, werden sie von Fuchs, Dachs, Vögeln und Igeln schon mal weggefressen.
Wir füttern unsere Katze auf dem Gartensitzplatz. Manchmal kommt auch ein Igel an den Futternapf. Er hinterlässt uns jeweils Kothaufen auf den Steinplatten.
Füttern Sie Ihre Katze drinnen. Draussen kommen nämlich zahlreiche «Gäste» an den Futternapf. Der Igel soll seine natürliche Nahrung selber suchen.
Beim Igel gibt es zahlreiche Innenparasiten. Können diese auf meine Haustiere übertragen werden und bei ihnen Krankheiten auslösen?
Es ist richtig, dass diverse dieser Igel-Parasiten in gleicher oder verwandter Form auch bei Haustieren vorkommen können. Etwas genauer betrachtet, ist das Risiko, das dabei von Igeln ausgeht, aber nicht gross. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen:
- Die Durchfall verursachenden Kokzidien, die neben dem Igel auch bei vielen Haustierarten vorkommen, sind für jede Tierart spezifisch, das heisst ein Kaninchen erkrankt in der Regel nicht an Igel-Kokzidien, ein Kalb wiederum nicht an den Kokzidien des Hundes und so weiter.
- Lungenwürmer der Gattung Crenosoma sind zum Beispiel auch mal beim Hund möglich, aber es handelt sich dabei um Infektionen mit Crenosoma vulpis, dem Lungenwurm des Fuchses; Crenosoma striatum hingegen, der Lungenwurm des Igels, ist sehr wirtsspezifisch und auf den Igel beschränkt.
- Ein Befall mit dem Lungenhaarwurm (Capillaria aerophila), einem sehr häufigen Parasiten beim Igel, ist zum Beispiel bei Hund und Katze theoretisch zwar möglich, konnte bis anhin in der Schweiz bei diesen Tierarten aber nur äusserst selten nachgewiesen werden.
Gibt es neben den Innenparasiten andere Krankheiten, die - vom Igel ausgehend - für andere Tiere oder den Menschen gefährlich werden könnten?
Ohne unbedingt selber daran erkrankt zu sein, kann ein Igel Träger von diversen Bakterien sein. Diese Bakterien können via Kot oder Harn auch auf andere Tierarten oder den Menschen übergehen. Als Beispiele seien hier Salmonellen oder Leptospiren genannt. Weniger gefährlich, aber sehr unangenehm, sind Hautpilzinfektionen, die sich Igel-Betreuer bei ihren Schützlingen holen können. Generell gilt: Wer Umgang mit Igeln hat, sollte sich an gewisse minimale Hygienestandards wie das Tragen von Handschuhen, regelmässiges Händewaschen und so weiter halten.
Des weiteren können Zecken, respektive die durch sie übertragenen Krankheiten, die Gesundheit des Menschen gefährden.
Welche Bedeutung hat ein Zeckenbefall beim Igel für uns Menschen?
Wenn gleich das Risiko eines Zeckenstichs bei einem Spaziergang durch hohes Gras / Gebüsch wie auch bei der Arbeit im eigenen Garten, je nach Region, wahrscheinlich um einiges höher ist als bei der temporären Betreuung eines Igels, soll dem Thema „Zecken und Igel“ doch die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Zeckenbefall gehört beim Igel zur Norm. Die Zecken wiederum können Träger von Borrelien und / oder Encephalitis-Viren sein (zwei Erreger, die beim Menschen zu schwerwiegenden Erkrankungen führen können).
Vor allem die kleinen, vom Igel abgefallenen Zecken-Nymphen können zu einer Gefahr werden, unter anderem auch deshalb, weil sie sehr leicht übersehen werden. Heikel ist die Situation auch, wenn ein Igel stirbt und das einige Zeit unbemerkt bleibt: Die Zecken verlassen das tote Tier und verkriechen sich in den Ritzen der Umgebung, jederzeit bereit, sich einen neuen Wirt zu suchen.
Siehe detaillierte Informationen zu Zecken und Igel (PDF 555KB)
Dürfen Igelbabys berührt werden?
Generell gilt: Igel sind Wildtiere und mögen es als solche nicht, von uns berührt zu werden. Dies sollten wir respektieren und einen Igel wirklich nur dann anfassen, wenn es seinem Schutz dient (beispielsweise einen Igel von der Strasse tragen) oder wenn das Tier krank oder verletzt ist und wir es zum Tierarzt oder in eine Igelstation bringen möchten. Zum Schutz vor den Stacheln und vor auf Menschen übertragbaren Krankheiten ist es sinnvoll, dabei Handschuhe zu tragen.
Immer wieder einmal wird behauptet, dass junge Igel oder Vögel, die vom Menschen berührt wurden, von der Mutter verlassen werden. Dies trifft aber nicht zu.
Bei Rehkitzen hingegen stimmt es: Dort gilt wirklich «Berühren verboten»!
Bei einer spätherbstlichen Gartenentrümpelungsaktion haben wir einen Igel in seinem Nest gestört: Er bewegt sich nicht. Lebt er noch?
Wahrscheinlich ist der Igel bereits im Winterschlaf. Die eingekugelten winterschlafenden Igel bewegen sich praktisch nicht mehr und machen nur noch etwa 3-4 Atemzüge pro Minute. Die Atemzüge sind visuell kaum wahrnehmbar. Im Gegensatz dazu liegt ein toter Igel meist offen, d.h. nicht eingerollt, da.
Decken Sie das Winterschlafnest wieder sorgfältig zu. Eventuell erwacht der Igel dann gar nicht erst aus dem Winterschlaf.
Ist es hingegen unmöglich, dass der Igel in seinem Nest verbleibt, müssten Sie ihn vorsichtig an einen neuen, vorher vorbereiteten Schlafplatz zügeln. Der neue Platz sollte keine direkte Sonneneinstrahlung haben und vor Regen und Feuchtigkeit geschützt sein. Als Nistmaterial verwenden Sie vorzugsweise Stroh und/oder trockenes Laub.
Siehe Ersatzwinterschlafplatz (PDF 1.2 MB)
Soll ich tagsüber auf einem Herbst-Spaziergang gefundene kleine Igel prinzipiell mit nach Hause nehmen?
Bevor Sie irgendwas unternehmen, muss Ihnen folgendes bewusst sein: Wenn Sie einen Igel mitnehmen, übernehmen Sie auch die volle Verantwortung für das Tier. Das bedeutet, Sie müssen bereit sein, sich in den nächsten Tagen bis Wochen um den Igel zu kümmern. Beratungsstellen und Igelstationen werden Ihnen dabei gerne mit fachlichem Rat zur Seite stehen. Dass Sie "Ihren" Igel in einer Igelstation abgeben können, ist aber meist mehr als ungewiss, da diese Einrichtungen im Herbst hoffnungslos überfüllt sind. Für die kleine Igel-Krankenstation des Igelzentrums gilt zudem: hier können nur Tiere aufgenommen werden, die eine medizinische Versorgung benötigen.
Des weiteren sind Igel Wildtiere und somit hervorragend ans Überleben in freier Natur angepasst. Ein Igel sollte deshalb nie den ganzen Winter über im Haus gehalten werden! Das „Eingesperrt sein“ ist ein grosser Stress für das Tier und nur einigermassen erträglich, wenn es die grösste Zeit davon winterschlafend verbringen kann (in den Winterschlaf fallen Igel aber nur bei Aussentemperatur). Den Winter über im Haus gehaltene Tiere verfetten zudem oft stark und können diverse weitere gesundheitliche Schäden erleiden.
Siehe Igel & Umwelt 20011/3 (PDF 0.8 MB)
Woran erkenne ich, ob ein im Herbst gefundener Jungigel bereits die nötigen Reserven für den Winterschlaf hat oder ob er noch menschliche Hilfe braucht?
Einen ersten objektiven Wert dazu liefert Ihnen das Körpergewicht des Igels. Da Igel gewichtsmässig oft unterschätzt werden, müssen Sie ihn wägen. Besorgen Sie sich eine Kartonschachtel oder einen anderen Transportbehälter und setzen Sie den Igel zuhause auf eine Briefwaage. Damit ein (gesunder!) Jungigel im November oder vor dem Wintereinbruch den Winterschlaf antreten kann, sollte sein Körpergewicht nicht unter 500g liegen.
Siehe Beurteilung des Igels im Herbst
Bei einem im Herbst gefundenen Jungigel habe ich das Körpergewicht ermittelt. Wie gehe ich weiter vor?
- Der Jung-Igel ist 500g oder schwerer und gesund: er braucht keine menschliche Hilfe!
Bei Unsicherheit in Bezug auf den Gesundheitszustand: Appetit des Igels ermitteln! Den Igel dazu für eine(!) Nacht ins Haus nehmen und den Appetit mit Katzenfutter testen. Der Igel frisst gut: ihn am nächsten Abend unverzüglich an die Fundstelle zurück bringen. Der Igel frisst schlecht: Kontaktaufnahme mit einer Fachstelle. Bei Verdacht auf Verletzungen: Den Igel einem Tierarzt zeigen.
Siehe Erste Massnahmen und Futtermenge
- Das Körpergewicht des Igels liegt zwischen 300g und 500g und er ist gesund: draussen eine Futterstelle einrichten. Diese sollte sich, wenn immer möglich, am Fundort befinden (der Igel ist ortstreu und kennt sich in seinem Gebiet hervorragend aus). Wenn die Zufütterung am Fundort für ca. 7-10 Tage nicht möglich ist: Dem Igel im eigenen Garten ein temporäres Gehege einrichten bis er ein Körpergewicht von 500-600g erreicht hat. Dann retour an den Fundort bringen. Da der Igel dort mittlerweile unter Umständen kein Nistmaterial mehr findet: an einer geschützten, wenig einsehbaren Stelle eine mit Stroh gefüllte Kiste als Winterschlafnest aufstellen.
Siehe temporäre Futterstelle, Freigehege und Winterschlafkiste (PDF 1.2 MB)
- Der Igel ist unter 300g schwer und gesund: bei Raumtemperatur auf ca. 400g Körpergewicht auffüttern, anschliessend in einem Aussengehege weiterfüttern bis zum winterschlaftauglichen Gewicht. Für den Winterschlaf den Igel eventuell im Gehege belassen und im Frühjahr sukzessive auswildern.
Siehe Überwinterung
- Der Igel ist krank oder verletzt (sein Körpergewicht spielt in diesem Fall keine Rolle): damit er eine Überlebenschance hat, muss er als erstes bei einem Tierarzt oder in einer Igelstation medizinisch versorgt werden.
Siehe nützliche Telefonnummern von Igelstationen
Igel auf Schnee begegnet?
Dafür gibt es verschiedene Erklärungen.
Siehe Winter
Bei uns bedient sich ein Igel mitten im Dezember am Futternapf unserer Katze: Eigentlich sollte der stachelige Geselle doch im Winterschlaf sein?
Der Winterschlaf dient dazu, die futterarme Jahreszeit zu überbrücken. Bei dauernd zur Verfügung stehendem Futter kann es vorkommen, dass ein Igel nicht in den Winterschlaf geht. Allerdings ist das eher ungewöhnlich, da neben fehlendem Futterangebot der Winterschlaf auch durch weitere Faktoren wie tiefe Aussentemperaturen und kurze Tageslängen ausgelöst wird.
Beobachten Sie Ihren Igel genau, nehmen Sie ihn zur Abklärung eventuell für eine Nacht ins Haus: Frisst er mit Appetit oder ist er nur am «schnäuggen»? Vielleicht ist das Tier auch krank oder verletzt und braucht medizinische Hilfe. Wenden Sie sich in diesem Fall an einen Tierarzt oder an eine Igelstation. Oder es handelt sich um einen gesunden Jungigel, der aber das nötige Körpergewicht für den Winterschlaf (ca. 500g) noch nicht erreicht hat. In diesem Fall können Sie dem Igel eine eigene «igelkonforme» Futterstelle einrichten.
Und noch ein Tipp: füttern Sie Ihre Katze in Zukunft im Haus. So können Sie vermeiden, dass sich andere Katzen oder Wildtiere als ungebetene Gäste am Futternapf bedienen. Und falls der Stachelkerl tatsächlich nur sehr verfressen, sonst aber gesund und genug schwer ist, wird er sich ohne Katzenfutter automatisch in den Winterschlaf verziehen. Eine von Ihnen bereit gestellte, mit Stroh gefüllte Kiste garantiert ihm dabei einen sicheren Schlafplatz.
Siehe temporäre Futterstelle, Winterschlafkiste (PDF 1.2 MB) und Überwinterung
Wie bastle ich ein Winterschlafhaus als Ersatznest für Igel?
Es muss nicht unbedingt ein Schlafhaus aus Holz sein. Der Igel überlebt den Winterschlaf auch in einer Styroporkiste für 10 Franken.
Siehe Winterschlafkiste (PDF 1.2 MB)
Was halten Sie davon, Igel in menschlicher Obhut zu überwintern?
Der Winterschlaf gehört bei unseren einheimischen Igeln zum Jahreszyklus. Jeder Igel sollte deshalb die Möglichkeit haben, die Wintermonate in diesem Zustand zu verbringen. In Ausnahmefällen kann es angebracht sein, Igel in menschlicher Obhut zu überwintern. Dies sollte aber immer in einem Aussengehege erfolgen!
Kranke Tiere, die uns kurz vor Winteranbruch oder während des Winters gebracht werden, pflegen wir im Igelzentrum bei Raumtemperatur. Nach ihrer Genesung gehen sie am Fundort oder in einem Aussengehege in den Winterschlaf.
Ein Igel sollte nie den ganzen Winter über im Haus gehalten werden! Das „Eingesperrt sein“ ist ein grosser Stress für das Tier und nur einigermassen erträglich, wenn es die grösste Zeit davon winterschlafend verbringen kann. Den Winter über im Haus gehaltene Tiere verfetten desweiteren oft stark und können diverse weitere gesundheitliche Schäden erleiden.
Siehe Überwinterung und Igel & Umwelt 20011/3 (PDF 0.8 MB)
Kann man einen Igel kaufen?
Einheimische Igel sind Wildtiere und dürfen nicht eingefangen / eingesperrt werden (Ausnahme: hilfsbedürftige Igel, die temporär von Fachpersonen gepflegt werden). Selbstverständlich kann man sie auch nicht kaufen oder verkaufen!
Ist der Afrikanische Weissbauchigel als Haustier geeignet?
Der afrikanische Weissbauchigel ist als Haustier gänzlich ungeeignet; darin sind sich die Fachleute einig.
In Freiheit an ein breites Futterangebot gewöhnt, wird ihm eine Ernährung mit Katzen- oder Igeltrockenfutter nie gerecht. An den Folgen der Mangelernährung sterben viele dieser als Haustiere gehaltene Igel.
Igel sind nachaktiv und als Haustiere zum Beobachten und Spielen ungeeignet, da sie den Tag verschlafen.
Sie haben in ihrem natürlichen Lebensraum einen grossen Aktionsradius und rennen deshalb im Gehege manchmal so lange auf und ab, bis sie blutige Füsse bekommen.
Die aus Profitgier betriebene Inzucht führt bei vielen als Haustiere gehaltenen Afrikanischen Weissbauchigeln zu einer Art Multiple Sklerose («Wobbly Hedgehog Syndrome»), die sich in fortschreitender Lähmung ausdrückt und nach 6-15 qualvollen Monaten mit dem Tod endet.
Was geschieht im Igelzentrum mit den Igeln nach ihrer Genesung?
Erwachsene Igel werden wenn immer möglich am Fundort freigelassen, im Winter mit einer Schlafkiste und zeitlich begrenzter Zufütterung. Im Spätherbst gefundene, sehr kleine Igel (Fundgewicht unter 300g) mit erst geringen Ortskenntnissen in ihrer Herkunftsumgebung, verbringen ihren Winterschlaf meist in einem Aussengehege. Von dort werden sie im Frühling ausgewildert. Erwachsene Igel, die nicht mehr am Fundort freigelassen werden können, zum Beispiel weil er gar nicht genau bekannt ist, werden via Gehege sukzessive an eine neue Umgebung gewöhnt.
Siehe Auswilderung und Überwinterung
Wir würden gerne einen jener Igel aus dem Igelzentrum auswildern, die nicht mehr am Fundort freigelassen werden können. Nun wissen wir aber nicht, ob unser Garten geeignet ist. Was ist zu beachten?
Wenn Sie in Ihrem Garten schon Igel beobachtet haben, ist das ein Hinweis, dass sich Ihr Garten grundsätzlich als Lebensraum für Igel eignet. Man muss aber bedenken, dass Igel nicht nur einen Garten bewohnen. Der monatliche Aktionsraum* für Igelweibchen beträgt im Durchschnitt 8, für Männchen 20 Hektaren. Zum Vergleich: Ein Fussballfeld ist etwas weniger als 1 Hektare gross.
Das bedeutet, selbst wenn ein einzelner Garten von seiner Anlage her das reinste Igelparadies ist, muss auch das umgebende Gebiet igeltaugliche Strukturen aufweisen: Ein schöner Garten in der Altstadt, abgetrennt von sonstigen Grünflächen, kommt folgerichtig als Auswilderungsort leider nicht in Frage.
Was aber heisst „igeltauglich“? Der Igel ist ein scheues Tier. Obwohl ihn seine Stacheln vor vielen tierischen Feinden schützen, kann er sich nicht zu hundert Prozent auf sie verlassen. Bei der geringsten Störung oder Gefahr muss er die Möglichkeit haben, sofort in einem Versteck zu verschwinden. Gärten, die mit Sträuchern bepflanzt sind, wo Ast- oder Laubhaufen, Holzbeigen oder andere Unterschlüpfe Schutz bei Gefahr bieten (oder als Tagesversteck oder Winterschlafplatz dienen), stehen bei den Stachelkerlen hoch im Kurs und bieten ihnen meist auch eine gute Futtergrundlage.
Als Igel lebt es sich aber nicht nur angenehm! Die allgegenwärtig vorhandenen überfahrenen Stacheltiere auf unseren Strassen zeugen davon, wie gefährlich und beschwerlich ein Igelleben ist. Ein Igel, der in einem unbekannten Gebiet ausgewildert wird, muss sich in der neuen Umgebung einleben. Er trifft auf Hindernisse und Gefahren, denen er sich stellen muss. Wir Menschen können ihm das Gewöhnen an den neuen Lebensraum etwas erleichtern, indem wir darauf achten, dass wir ihn in einem Gebiet auswildern, wo solche Hindernisse und Gefahren nicht im Übermass vorkommen. Konkret bedeutet das: Grosse, auch nachts stark befahrene Strassen, sollte es innerhalb der oben erwähnten 8-20 Hektaren nicht geben. Sind sie doch vorhanden, darf ihre Lage die Bewegungsfreiheit der Igel nicht einschränken, der Igel muss solchen Strassen ausweichen können.
Einen Igel an einem neuen Ort auswildern heisst nicht ihn einfach in ein Gebüsch setzen. Zuerst wird er für etwa 5 Tage in einem im Garten aufgestellten Gehege gefüttert. Wenn er gelernt hat, dass sich an dieser Stelle eine für ihn leicht zu erreichende Futterquelle befindet, wird das Gehege geöffnet, aber für weitere 5-7 Tage Futter in den Napf gefüllt. Das gibt dem Igel Zeit, stressfrei sein neues „Wohngebiet“ auszukundschaften. Wenn dann nach einer Woche die Fütterung nach und nach eingestellt wird, kennt er sich in seinem neuen Lebensraum bereits so gut aus, dass er weiss, wo sich die fettesten Käfer, die längsten Würmer und die besten Unterschlüpfe befinden.
* Gebiet, das von einem Igel im Laufe eines Monats durchstreift wird.
Siehe Karte Igel in Zürich (PDF 910 KB) und Nächtliches Streifgebiet (JPG 285 KB)
Siehe Auswilderung

