Beurteilung des Igels

Igel sind Wildtiere. Sie sind hervorragend an das Leben im Freien angepasst und kommen normalerweise ohne menschliche Hilfe zurecht. Gelegentlich gibt es aber Situationen, in denen sie unsere Hilfe brauchen.

Treffen Sie einen Igel auf der Strasse an, setzen Sie ihn in Laufrichtung an den anderen Strassenrand. Entfernen Sie ihn nie aus seinem ihm vertrauten Wohngebiet. Igel sind sehr ortstreu und eng mit ihrem Lebensraum verbunden. Jede Zwangsumsiedlung verstört das Tier zutiefst.

Begegnen Sie einem Igel am Tag, beobachten Sie ihn zuerst ganz genau, bevor Sie etwas unternehmen. Anhand der folgenden Checkliste mit Krankheitsanzeichen, können Sie bestimmen, ob dem Tier etwas fehlt:

Krankheitsanzeichen

  • Tagaktivität: Achtung, nicht jeder tagaktive Igel ist krank. Lesen Sie dazu die Unterkapitel Frühling, Herbst, Winter und Häufige Fragen zu Tagaktivität.
  • Abgemagerte Gestalt: Länglicher Körper, abgesetzter Kopf, eingefallene Flanken (abgesetzte Hüften und Schultern), hochbeiniger Gang.
    Ein gesunder, erwachsener Igel sieht "wohlgenährt rundlich" aus. Seine Form gleicht einer Mischung aus St.Galler-Brot und Pfünder.
    Achtung: Lesen Sie das Kapitel im Frühling oder Herbst, falls Sie einem mageren Igel zu dieser Jahreszeit begegnet sind.
  • Röcheln oder husten
  • Hinken oder andere Gangabnormalitäten
  • Sichtbare Verletzungen
  • Übermässiger Zecken- oder Flohbefall
  • Befall mit Fliegeneiern oder -maden
  • breiiger-dünnflüssiger Kot

Haben Sie den Verdacht, dass der Igel krank oder verletzt ist, nehmen Sie ihn mit Handschuhen oder einem Tuch vorsichtig auf. Drehen Sie ihn in Ihrer Hand nun auf den Rücken. Weitere Krankheitszeichen:

  • Verminderter Einrollmechanismus, dh. der Igel macht bei Berührung oder in Ihrer Hand keine klassische Igelkugel
  • Der Igelbauch fühlt sich deutlich kälter an als Ihre Hand

Sind Sie unsicher, ob dem Tier etwas fehlt, nehmen Sie es ausnahmsweise für eine (!) Nacht mit nach Hause und füttern Sie es mit Katzenfutter (siehe Erste Massnahmen). Da der Igel ein nachtaktives Tier ist, können Appetit und Aktivität nur nachts sicher beurteilt werden. Zum Thema Notunterbringung gibt ebenfalls das Kapitel "Erste Massnahmen" Auskunft. Sichere Krankheitsanzeichen sind:

  • Fehlender Appetit
  • Verminderte oder fehlende nächtliche Aktivität

Weiteres Vorgehen

Lesen Sie unbedingt auch das zu ihrem Igelfund passende Unterkapitel zur Jahreszeit: Frühling, Sommer, Herbst oder Winter.

Falls eine oder mehrere der oben aufgeführten Krankheitsanzeichen auf "Ihren" Igel zutreffen, lesen Sie unter "kranker oder verletzter Igel" nach, wie Sie weiter vorgehen müssen.

Scheint der Igel nach eingehender Beobachtung gesund, lassen Sie ihn am Fundort wieder frei.

Wichtig zu wissen

Der Braunbrustigel gehört in der Schweiz gemäss dem Natur- und Heimatschutzgesetz zu den geschützten Tierarten. Das bedeutet, es ist unter anderem verboten, Igel grundlos zu berühren, einzufangen oder in Gewahrsam zu nehmen. Findet man einen Igel, der sich scheinbar oder tatsächlich in einer Notlage befindet (Beispiele: kranke oder verletzte Tiere oder Igel, die bei Wintereinbruch weit unter dem für den Winterschlaf notwendigen Minimalgewicht sind, oder verwaiste Igelsäuglinge), darf dieses Tier vorübergehend in Gewahrsam genommen werden, dies allerdings nur, wenn man sich gleichzeitig - respektive so rasch wie möglich - mit einer qualifizierten Igelfachstelle in Verbindung setzt. Die Fachstelle wird entscheiden, ob es überhaupt nötig ist, das Tier temporär in menschlicher Pflege zu belassen, und falls ja, ob dies beim Finder selber erfolgen kann oder ob der Igel Betreuung in einer Igelstation oder beim Tierarzt benötigt. (siehe Häufige Fragen).

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