Lebensraum und Gefahren

Allgemeines

Unterschlupf und gedeckter Tisch

Im Siedlungsraum lauern viele Gefahren

Merkblatt: Gefahren für Igel - sind vermeidbar!

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Allgemeines

Die Ansprüche, die der Igel an seinen Lebensraum stellt, sind im Prinzip nicht sehr gross. Zwingende Voraussetzung für sein Überleben ist allerdings, dass er auf kleinem Raum genügend Futter und Versteckmöglichkeiten findet. Der ursprüngliche Lebensraum der Igel, eine kleinräumige und abwechslungsreich gegliederte Kulturlandschaft, wie sie lange Zeit für die Schweiz typisch war, unterlag drastischen Veränderungen. Verschwunden sind artenreiche Magerwiesen, Hecken und Gehölze. Diese einst optimalen Igellebensräume mussten vielerorts einseitig bewirtschafteten, intensiv gedüngten und mit Pflanzenschutzmitteln behandelten Landwirtschaftsflächen weichen, welche dem Bedürfnis der Igel nicht mehr gerecht wurden. Und auch der heutige Wirtschaftswald, welcher oft für den Igellebensraum schlechthin gehalten wird, ist in seiner Uniformität und mit dem Fehlen eines abgestuften Waldsaumes schon lange kein optimales Territorium mehr für das Stacheltier.

So waren die Igel gezwungen, sich ein neues Zuhause zu suchen - und im menschlichen Siedlungsgebiet wurden sie fündig. Hier trafen sie auf die Strukturvielfalt, die sie brauchen. Naturbelassene Gärten und Parks in Städten und deren Agglomeration, aber auch ländliche, vom Menschen bewohnte Gebiete bieten dem Igel alles, was zu seinem Überleben notwendig ist.

Bemerkenswert ist der hervorragende Orientierungssinn, den Igel in ihrem Streifgebiet an den Tag legen. Igel erstellen im Laufe ihres Lebens im Gedächtnis eine Art Landkarte, auf der Hindernisse sowie mögliche Durchschlüpfe, Tagesverstecke und gute Futterstellen verzeichnet sind.

Der Lebensraum eines Igels besteht nicht nur aus einem Garten, sondern setzt sich aus einer Vielzahl von Gärten zusammen: In der Karte "Nächtliches Streifgebiet (JPG 285 KB)" können Sie den zurückgelegten Weg eines Igelmännchens verfolgen.

 

Unterschlupf und gedeckter Tisch - Hecke aus einheimischen Strauchsorten

Die englische Bezeichnung für Igel „Hedgehog“ (Heckenschwein) weist auf die Tatsache hin, dass Igel ihre Nester gerne unter Hecken anlegen. Auch bodendeckende Sträucher, wildwuchernde Brombeerranken, Ast- und Laubhaufen oder Spalten in Holzbeigen sind einerseits als Nestplatz beliebt und ermöglichen es dem Igel andererseits, während seiner Streifzüge bei Gefahr sofort zu verschwinden. Wer also dem Igel etwas Gutes tun will, sollte einen Teil des Strauch- und Baumschnittes liegen lassen oder zu Haufen aufschichten, sowie für weitere Unterschlupfmöglichkeiten sorgen. Vielerorts sind solche Strukturen aber leider verschwunden und sterilen Rasenteppichen gewichen.

Um im menschlichen Siedlungsraum naturnahe Lebensräume zu fördern und die Strukturvielfalt zu vergrössern können H ecken aus einheimischen Strauch- und Baumarten gepflanzt werden. Sie sind ein Lebensraum für Insekten und bieten damit wiederum vielen Insektenfressern (neben dem Igel sind das insbesondere zahlreiche Vogelarten) Nahrung und Schutz.

Igel im Efeu

Während der Futtersuche bewegt sich der Igel gemächlich vorwärts und stöbert mit seiner hochempfindlichen Nase in Erde, Gras und Laub nach Fressbarem. Igel halten sich bei der Futtersuche gerne auf naturnahen, d.h. extensiv bewirtschafteten, kurzgeschnittenen Wiesen auf, die sie bequem durchstreifen können und die ihnen ein grosses Nahrungsangebot bieten. Auch Baumstrünke und liegengelassenes Totholz mit ihrem reichlichen „Innenleben“ bereichern den Speisezettel der Igel. Überlebensnotwendig als Futterplatz während Zeiten grösserer Trockenheit ist auch das Vorhandensein ungeschnittener Wiesen und der oben erwähnten Rabatten und Hecken aus einheimischen Sträuchern. Viele Nahrungstiere der Igel ziehen sich bei Trockenheit an solche Standorte zurück. Artenreiche Magerwiesen, Bachböschungen und Krautsäume entlang von Hecken bieten vielen Nützlingen wie Bienen, Schlupfwespen und Laufkäfern einen guten Lebensraum und dem Igel wiederum einen reich gedeckten Tisch. Durch Förderung von Nützlingen kann ausserdem der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert werden. Bei der Bewirtschaftung der privaten und öffentlichen Grünanlagen sollte auf einen sparsamen Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln geachtet werden, um ein vielfältiges Bodenleben zu ermöglichen. Eine naturnahe Bewirtschaftung des Siedlungsgrüns mit abwechslungsreichen Strukturen und blühenden Blumenwiesen ist nicht nur für Tiere, sondern auch für uns Menschen eine grosse Bereicherung.

 

Im Siedlungsraum lauern viele Gefahren

Die Igel haben sich dem Siedlungsraum sehr gut angepasst, dennoch sind sie in diesem modernen und vom Menschen dominierten Gebiet vielen Hindernissen und Gefahren ausgesetzt.
Igel könnten theoretisch 7-8 Jahre alt werden. Dieses Alter erreichen sie in freier Wildbahn aber praktisch nie. Ein 4-jähriges Tier gilt da bereits als sehr alt. Eine Lebenszeit von 2-3 Jahren ist für einen Igel, der die mit einer hohen Todesrate behaftete Jungendzeit überstanden hat, eher realistisch. Und das, obwohl der Igel nur wenige natürliche Feinde kennt. Am gefährlichsten werden ihm Dachs und Uhu. Dank ihrer langen Krallen können diese auch einen vollständig eingekugelten Igel packen. Fuchs, Marder und Iltis hingegen sind darauf angewiesen, dass der Igel zumindest teilweise seine Kugel öffnet. Deshalb haben diese Tiere vor allem für kranke geschwächte oder junge ungeschickte Igel als Fressfeind eine Bedeutung.

Weitaus am meisten Probleme entstehen dem Igel durch uns Menschen.
Der Igel leidet unter fortschreitendem Verlust geeigneter, naturbelassender Grünflächen und unter der Zerschneidung seines Lebensraumes. Neben kleineren Hindernissen wie Mauern und Zäunen sind es vor allem die Strassen, die ihm das Leben erschweren.

Igelwarnkleber (kann im Shop gratis bestellt werden)

Oft stellen sie eine kaum überwindbare Barriere dar. Wegen solcher Schranken kann der Igel benachbartes Gebiet nicht mehr erreichen. Es entstehen kleine isolierte Igelpopulationen, deren Überleben langfristig stark gefährdet ist.
Versuchen die Tiere trotzdem, die Strassen zu überqueren, endet ihr Leben oft unter den Rädern eines Autos. In der Schweiz sterben auf diese Weise jedes Jahr Zehntausende von Igeln. Vor allem trifft es die Männchen während der Paarungszeit, die auf der Suche nach einem Weibchen oft jede Vorsicht vergessen.

Neben den Strassen lauern noch zahlreiche weitere Gefahren auf die Igel. Sie werden durch Mähgeräte oder andere Gartenwerkzeuge verletzt, bleiben in Beeren- und Rebnetzen hängen, fallen in Schächte und Gruben, aus denen sie sich nicht mehr selbstständig befreien können, sterben durch Stromschlag in elektrischen Weidezäunen, werden mit Ast- oder Laubhaufen sowie in Brauchtumsfeuern verbrannt, usw.

Trotz der diversen Probleme, mit denen Igel zu kämpfen haben, ist ihr Bestand in der Schweiz zur Zeit noch nicht akut gefährdet. Aber es liegt an jedem einzelnen von uns, ob die urtümlichen kleinen Stacheltiere langfristig in unserem Land überleben können. Das wird nur möglich sein, wenn wir uns bemühen, den Lebensraum der Igel zu erhalten und die zahlreichen Gefahren zu entschärfen.

Wie auch Ihr Garten Teil eines igelfreundlichen Lebensraums sein kann, erfahren Sie im Kapitel Igelfreundlicher Garten.

 

Gefahren für Igel - sind vermeidbar!

 Oeffnet Merkblatt Gefahren für Igel (PDF 365 KB); Merkblatt kann im Shop gratis bestellt werden.

Das A3-Merkblatt "Gefahren für Igel - sind vermeidbar!" können Sie auch selber ausdrucken: Druckversion

 

Links zum Thema Lebensraum und Gefahren

Der Lebensraum des Igels muss durchlässig sein
Ein Igel lebt nicht nur in einem Garten
naturschutz.ch/meinung/lauf-igel-lauf/114530

Igel - Wildtiere in der Stadt
Grundlagen zur Föderung der Igel in Zürich

Zürich, 1993.
PDF, 14 MB, 68 Seiten

Igel in der Stadt Zürich
Igel-Bulletin, Ausgabe 15, 1996, Pro Igel Deutschland
www.pro-igel.de/igel-bulletin/sonderbd/lebensraum_1.pdf

Wo lebt der Igel in der Stadt?
Igel Bulletin, April 2014, Pro Igel
PDF 1.8 MB auf Seite 4
www.pro-igel.ch/fileadmin/Dateien/Bulletin/Igel_Bulletin_45-14.pdf
Wissenschaftliche Studie (auf Englisch) zum Thema "Durchlässigkeit der Stadt für Igel"
www.swild.ch/publi/Braaker_EcoApp2014.pdf

Nächtliches Streifgebiet eines Igels
Auszug aus: Igel-Wildtiere als Stadtbewohner. Eine Broschüre von Grün Stadt Zürich und des Zürcher Tierschutzes. Zürich, 3. Auflage, Juli 2000.
Nächtliches Streifgebiet (JPG 285 KB)

Merkblatt «Gefahren für Igel - sind vermeidbar!»
Merkblatt (PDF 365 KB), Merkblatt als Druckversion
Auszug aus: Zeitung des Igelzentrums Zürich, Ausgabe 2013/1
Igel&Umwelt 2013/1 (PDF 1.2 MB)

Schnelle Gefahr! Wenn Igel die Strasse überqueren
Zeitung des Igelzentrums Zürich, Ausgabe 2010/1
Igel&Umwelt 2010/1 (PDF 1 MB)

Broschüre "Igelfreundlicher Garten"
Igelzentrum Zürich, 2007, Geheftete Broschüre, Format A5
Igelfreundlicher Garten (PDF 2.3 MB)

Vom Land in die Stadt – Meister Reineke passt sich an
Zeitung des Igelzentrums Zürich, Ausgabe 2011/2
Igel&Umwelt 2011/2 (PDF 0.7 MB)

Eulen - Phantome der Nacht
Zeitung des Igelzentrums Zürich, Ausgabe 2013/2
Igel&Umwelt 2013/2 (PDF 0.6 MB)

Der Dachs - heimlicher Besucher in der Nachbarschaft
Zeitung des Igelzentrums Zürich, Ausgabe 2012/2
Igel&Umwelt 2012/2 (PDF 1.2 MB)

Wildtiere im Siedlungsraum
Umsetzungshilfe für Baufachleute und Bauherren
Praxisnahe Tipps im Umgang mit Wildtieren am Haus und im Garten
www.bauen-tiere.ch/tier.htm

Alles vernetzt?
Anleitung zum korrekten Anbringen von Rebnetzen
www.agroscope.admin.ch/publikationen/einzelpublikation/index.html?lang=de&aid=6236&pid=1722

Sichere Weidezäune für Nutz- und Wildtiere
Der Schweizer Tierschutz hat dazu ein Merkblatt verfasst:
www.tierschutz.com/publikationen/wildtiere/infothek/mb_zaeune.pdf (PDF 932 KB)
Stromführende Weidenetzzäune ("orange Gitterknotenzäune") töten Igel auf brutale Art; nach Meinung des Igelzentrums müssten diese Zäune verboten werden.

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