Igelfreundlicher Garten

Einleitung

Jeder Garten kann ein igelfreundlicher Garten sein.

1. Gefahren vermeiden (siehe auch Merkblatt)

2. Igelfreundliche Elemente belassen oder neuschaffen

3. Naturnahe, der Situation angepasste Bewirtschaftung

Eine Broschüre und ein Garten bringen dieses Motto einem breiten Kreis von Interessierten nahe.

Die Broschüre

In dieser Broschüre zeigen Fachleute, wie ein igelfreundlicher Garten aussieht. Es braucht dazu keine Wunder. Bereits einzelne neu gestaltete Bereiche, beispielsweise durch einen Ast- oder Laubhaufen ergänzt, bewirken schon viel:

Sie können die Broschüre im Shop gratis bestellen.

 

Der Garten am Zürichberg

Am Rande der Familiengärten Susenberg bewirtschaftet das Igelzentrum zwei Familiengartenparzellen und führt dort diverse Veranstaltungen durch.

Eingangstafel: zum Grossbild Der Garten im Sommer: zum Grossbild
Das Wildstaudenbeet - ein Paradies für Schmetterlinge: zum Grossbild Schulklassenführung: zum Grossbild
Mauereidechsen bei der Paarung: zum Grossbild Erdkröte im igelfreundlichen Garten: zum Grossbild

 


Ein Garten für Mensch, Tier und Pflanzen


Natur ist nicht etwas, das sich ausserhalb der Dörfer und Städte abspielt oder auf die Naturschutzgebiete beschränkt ist. In den letzten Jahren wurde festgestellt, dass der Siedlungsraum vielen Pflanzen und Tieren einen guten Lebensraum bieten kann. Vielerorts sehen wir aber nur sterile Rasenteppiche, exotische Nadelgehölze und kahle Hausfassaden, die Pflanzen und Tieren kaum Lebensraum bieten. In jedem Garten findet sich aber ein Platz, der naturnah gestaltet werden kann, so dass sich vermehrt Tiere ansiedeln können. Solch kleine Naturinseln oder ausgedehnte naturnahe Gartenanlagen sind nicht nur für Pflanzen und Tiere, sondern auch für Menschen ein Gewinn und laden ein zur Entdeckung heimischer Naturschönheiten.

Welches sind die wichtigsten Grundsätze für einen naturnahen Garten:

 

Heimische Wildpflanzen

Im naturnahen Garten werden vorwiegend einheimische Pflanzen verwendet. Sie sind an die hiesigen Umweltbedingungen am besten angepasst. Dadurch sind sie weniger anfällig auf Schädlinge und dienen der heimischen Insektenwelt als wichtige Nahrungsquelle. Exotische Gewächse werden von Insekten gemieden. Dadurch verarmt die Insektenwelt und mit ihr auch diejenige Tierwelt, die sich von Insekten ernährt: Igel, Fledermäuse, Spitzmäuse, Vögel und viele mehr.

 

Totholz liegen lassen

Das Holz von gefällten Bäumen wird nicht abgeführt sondern liegengelassen oder zu Haufen geschichtet. Solche Totholzhaufen bieten unzähligen Lebewesen für mehrere Jahre einen Futter-, Lebens- und Wohnraum. Viele Insekten, die auf Totholz spezialisiert sind, tummeln sich darin und dienen anderen Tieren als Nahrungsquelle. Auch Frösche, Kröten, Salamander und Blindschleichen fühlen sich darin wohl.

 

 Baum- und Strauchschnitt zu Asthaufen aufschichten

In vielen Gärten fallen alljährlich grosse Mengen an Schnittholz an. Das Schnittholz kann zu Asthaufen aufgeschichtet werden und dient vielen Gartenbewohnern als Unterschlupf. Igel, Amphibien und Spitzmäuse überwintern gerne darin.

 

Überalterte Obstbäume stehen lassen

Alte Obstbäume, die nur noch wenig Früchte tragen und zum Teil schon abgestorben sind, überlassen wir getrost der Natur. In den Baumhöhlen finden einige Vogel- und Fledermausarten gute Nistmöglichkeiten.

 

Hecken aus einheimischen Sträuchern

Hecken bilden wichtige Lebensräume für viele Tierarten. Insbesondere Vögel fühlen sich in Hecken wohl, da sie darin nicht nur Nahrung, sondern auch Schutz vor Feinden und Nistmöglichkeiten finden. Während des Winters können die Vögel noch lange von den verschiedensten Wildfrüchten zehren, die ihnen die Hecke spendet. Eine Hecke sollte immer verschiedene einheimische Straucharten enthalten, darunter auch Heckenrosen. Hecken sind ausserdem wichtige Gestaltungselemente im Garten. Sie eignen sich als natürliche Abgrenzung gegen Strassen und Nachbargärten, als Schutz gegen Wind, Staub und neugierige Blicke und helfen steile Böschungen abzustützen. Besonders hübsch wirkt die Hecke, wenn eine Heckenuntersaat aus Buschwindröschen, Schlüsselblumen, Bärlauch und Glockenblumen ausgesät wird.

 

 

Naturrasen statt Rasenteppich

Rasenteppiche in herkömmlichen Gärten enthalten meist nur 2-3 verschiedene Grasarten und werden intensiv mit Kunstdünger und giftigen Pflanzenschutzmitteln behandelt. Dadurch verarmt das Bodenleben sehr stark. Durch selteneres Mähen und den Verzicht auf Kunstdünger, Pestizide und Herbizide siedeln sich bald erste Blumen an: Gänseblümchen, Günsel, Löwenzahn, Hahnenfuss, Ehrenpreis und viele mehr. Aus dem Kunstrasen wird allmählich ein Naturrasen.

 

Blumenwiesen ansäen

Im Gegensatz zum Naturrasen enthalten Blumenwiesen viel mehr verschiedene Blumen- und Kräuterarten. Umso vielfältiger sind sie auch von Klein- und Kleinstlebewesen besiedelt. Ein Lebensraum, der den Bedürfnissen vieler Tiere entspricht. Wildbienen sind oft auf ganz besondere Nahrungspflanzen spezialisiert, die aus den konventionellen Gärten verschwunden sind. Durch das Ansäen einer Blumenwiese schaffen wir der wunderbaren Welt der Wildbienen neue Lebensräume. Eine Blumenwiese bringt immer Farbe in den Garten, auch wenn sie nur in einem Teil des Gartens angelegt wird.

 

 

Fassadenbegrünung

Im städtischen Siedlungsraum begegnen wir nicht selten grauen, kahlen Hausfassaden an grösseren Wohnkomplexen. Solche Fassaden laden ein durch Kletterpflanzen begrünt zu werden. Dadurch gewinnt der Wohnraum an Schönheit, und das Leben kehrt in die Betonwüste zurück. Amsel, Grünfink, Distelfink und Grauschnäpper werden für den neuen Lebensraum dankbar sein. Für Menschen in städtischen Quartieren bedeutet eine Fassadenbegrünung oft ein Gewinn an Wohnlichkeit und Lebensfreude.

 

Wege und Kiesplätze

Im Siedlungsraum werden Jahr für Jahr grosse Flächen zubetoniert und versiegelt. Dadurch entstehen tote Flächen, auf denen kein Leben gedeihen und das Wasser nicht mehr versickern kann. Im Naturgarten werden Wege und Plätze aus Naturmaterialien angelegt und bewusst Ritzen freigehalten, in denen sich Leben entfalten kann. Magerwiesen lassen sich auf 30-40cm dicke Kiesunterlagen aussäen, aus denen sich prächtige, blühende Flächen entwickeln.

 

Mut zur Wildnis

Auch ein naturnaher Garten will gepflegt sein. Oft ist es sogar notwendig eine gute Pflanzenkenntnis zu besitzen, da sich auch im naturnahen Garten unerwünschte Bewohner ansiedeln, die entfernt werden müssen. Dennoch gibt es Ecken, in denen der Natur mehr Freiheit gegeben wird, sich ungezügelt auszubreiten. Viele Nützlinge im Garten sind beispielsweise zur Überwinterung auf liegengelassenes Laub, verwelkte Stauden und verdorrtes Gras angewiesen. In Brombeerranken und verwildertem Gestrüpp bauen Igel gerne ihre Nester.

 

Ruhe bewahren im Umgang mit Schnecken

Regel 1: Pflanzengesundheit stärken
Regel 2: Richtig bewässern
Regel 3: Barrieren schaffen
Regel 4: Schlupfwinkel entziehen
Regel 5: Schneckenfeinde fördern
Regel 6: Schnecken ködern und einsammeln
Regel 7: Schneckengift vermeiden

Schnecken, die am meisten gehassten Nützlinge (PDF 3 MB)

Verwendung von Schneckenkörnern?

 

 Wer sich für mehr Natur im Garten entscheidet, hat also viele Möglichkeiten, dies zu tun. Schrecken Sie nicht vor dem scheinbar grossen Arbeitsaufwand zurück. Ein naturnaher Garten kann auch schrittweise angelegt werden, indem ihr Garten Jahr für Jahr um einzelne naturnahe Elemente ergänzt wird. Sie werden sehen, wie der naturnahe Garten auch zu Ihrer Lebensfreude beiträgt, da er eine lebendige Vielfalt an Lebewesen beherbergt, abwechslungsreich und farbenfroh ist.

Pflanzenlisten
Heimische Gehölze: Schwarzdorn, Traubenkirsche, Schneeball, Vogelbeere, Weissdorn, Geissblatt, Kreuzdorn, Faulbaum, Pfaffenhütchen, Heckenrose, Hartriegel, Holunder, Haselstrauch.

Wildstauden für mageren Boden: Gelbe Resede, Gewöhnliches Leimkraut, Gewöhnlicher Wundklee, Hornklee, Natternkopf, Gewöhnlicher Dost, Königskerze, Klappertopf, Wegwarte, Taubenskabiose, Blutroter Storchenschnabel, Nachtkerze, Ackerglockenblume, Akelei, Rosenmalve.

Wildstauden für nährstoffreichen Boden: Weinrose, Wiesenflockenblume, Wilde Möhre, Bunte Schwertlilie, Wiesenwitwenblume ,Wilde Malve, Moschusmalve, Wiesensalbei, Habichtskraut, Pfirsichglockenblume, Blauer Eisenhut, Gewöhnliche Akelei, Stinkende Niesswurz.

Wildstauden für schattige Standorte: Bärlauch, Scharbockskraut, Buschwindröschen, Schlüsselblume, Lungenkraut, Goldnessel, Waldmeister, Nesselblättrige Glockenblume, Gelber Fingerhut, Bergflockenblume, Waldstorchschnabel, Waldweidenröschen.

Wildrosen und naturnahe Gartenrosen: Essigrose, Zimtrose, Alpenheckenrose, Bibernellrose, Apfelrose.

 

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